Amazon öffnet sein Liefernetz für alle Händler und macht Paketdiensten Konkurrenz
Amazon öffnet sein Liefernetz für alle Online-Händler
Amazon bietet seine Zustellinfrastruktur ab sofort externen Händlern an und will damit die Abhängigkeit von klassischen Paketdiensten wie DHL oder UPS verringern. Der Konzern stellt die neue Sparte unter dem Namen «Amazon Supply Chain Services» vor und koppelt Versand, Lagerung, Verpackung sowie Zollabwicklung zu einem Komplettangebot.
Das Prinzip erinnert an die Entstehungsgeschichte von Amazon Web Services: Ein interner Dienst, der externen Kunden geöffnet wurde und schnell zu einem eigenen Milliardenmarkt heranwuchs. Amazon betont, dass Händler den gesamten Logistikprozess über das Unternehmen abwickeln können, unabhängig davon, ob die Ware über Amazon selbst verkauft wird oder in externen Onlineshops verbleibt.
Zu den Dienstleistungen zählen flexible Lagerkapazitäten, skalierbare Versandoptionen und zusätzliche Logistikservices für wachsende Bedarfe. Erste große Kunden wie Procter & Gamble und 3M sollen bereits getestet haben, wie das Angebot in der Praxis funktioniert. Konkrete Details zu Preisen, Startländern und möglichen Einschränkungen nennt Amazon bislang nicht.
- Leistungen: Versand, Lagerung, Verpackung, Zollabwicklung
- Kernidee: vorhandene Kapazitäten besser auslasten und externe Händler bedienen
- Vergleich: Strategie ähnlich der Entwicklung von AWS
In Deutschland könnte das Angebot besonders für mittelgroße Shops attraktiv sein, die sich teure eigene Logistik nicht leisten wollen. Auch für internationale Marken bietet die Lösung die Chance, Einlagerung und Distribution zentral über eine Plattform zu steuern. Kritiker warnen allerdings, dass eine stärkere Marktstellung von Amazon den Wettbewerb weiter verzerren und die Verhandlungsmacht des Konzerns gegenüber Händlern erhöhen könnte.
Ob und wie schnell Amazon Supply Chain Services deutschlandweit startet, bleibt abzuwarten. Für Handel, Logistikbranche und Verbraucher könnte der Schritt weitreichende Folgen haben: Mehr Übergang von klassischen Paketdiensten zur Plattformlogistik, veränderte Kostenstrukturen bei Versand und möglicherweise neue Abhängigkeiten von einem inzwischen sehr vielseitigen Konzern.