Bosch kippt Smart Work: Rückkehr ins Büro treibt Debatten in der Belegschaft
Entscheidung für mehr Präsenz trifft auf gespaltete Stimmung
Stuttgart-Feuerbach. Bosch hat die weitreichende Betriebsvereinbarung «Smart Work» gekündigt; ab August sollen Beschäftigte wieder deutlich häufiger am Standort arbeiten. Künftig gilt eine Mindestpräsenz von 60 Prozent der Arbeitszeit vor Ort oder beim Kunden, wie ein Konzernsprecher bestätigte. Die Ankündigung folgt auf Aussagen von Konzernchef Stefan Hartung, der eine stärkere Durchmischung der Teams und eine bessere Integration neuer Mitarbeitender als Ziel nannte.
Vor dem Werk in Feuerbach zeichnete sich ein vielstimmiges Bild: Für viele Beschäftigte ist die Rückkehr ins Büro nachvollziehbar, für andere ist sie ein Einschnitt. Julian aus der IT meint: «Ich finde es nicht schlecht. 60 Prozent fördern das Zusammenspiel im Team.» Aus der Produktion berichtet Silvia Schäffler, dass Montagearbeit ohnehin Anwesenheit erfordere, und ergänzt: «Das Soziale würde uns fehlen.»
Andere Kolleginnen und Kollegen sehen das Privileg des mobilen Arbeitens differenziert. Ein Mitarbeiter aus der Technik betont, dass Homeoffice kreative Momente und neue Möglichkeiten ermögliche, zugleich aber nicht zum Rechtsanspruch werden könne. Hasan Babat bringt es auf den Punkt: «Ich will zu Bosch kommen und die Leute sehen.»
Auch Betriebsrealitäten fließen in die Einschätzungen ein. Einige Beschäftigte leben weit entfernt vom Standort und profitierten stark von der flexiblen Regelung. Andere, etwa aus der Qualitätssicherung oder dem Sondermaschinenbau, empfinden Präsenztage als produktiver und sinnvoll für den direkten Austausch.
Die Konzernsprecherin betonte, dass mobiles und flexibles Arbeiten auch künftig möglich bleibe, etwa auf Basis der bestehenden Vereinbarung «Mobiles Arbeiten». Die konkrete Ausgestaltung werde vor Ort, in den Geschäftsbereichen und in Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretungen geregelt. Bosch meldet bereits wieder eine verstärkte Büropräsenz und signalisiert, dass diese Entwicklung erwünscht ist.
Die Reaktionen in Feuerbach bleiben geteilt: Zustimmung vor allem dort, wo Teamarbeit und Integration im Vordergrund stehen, Kritik vor allem bei Pendlerinnen und Pendlern mit langen Anfahrtswegen. Die Debatte um neue Präsenzregeln dürfte das Arbeitsklima in den kommenden Monaten weiter prägen.