Vom Ruhm auf dem Rasen zur Jobsuche: Warum Profifußballkarrieren kein Garant für den Alltag sind
Ehemalige Profis suchen offen nach Normaljobs
Anfang September machte ein einfacher Eintrag auf sozialen Medien Schlagzeilen: Der 29-jährige Nguyen Trong Dai bat die Community um Hinweise auf «gute, einfache Jobs». Der einstige Kapitän der vietnamesischen U20 und vielfache Landesligaspieler steht nach dem Weggang vom Long An Club ohne neuen Profivertrag da und wendet sich nun offen an die Öffentlichkeit.
Trong Dais Weg ist exemplarisch für ein globales Problem: sportlicher Erfolg bedeutet nicht automatisch langfristige berufliche Sicherheit. Trotz Titeln, Einsätzen in Junioren-Nationalmannschaften und jahrelanger Vereinszugehörigkeit fehlen vielen Ex-Spielern formale Qualifikationen oder praktische Erfahrung außerhalb des Fußballs.
Von Viettel bis Long An – ein Spielerleben auf Abruf
Trong Dai durchlief die Akademie von Viettel, führte die vietnamesische U19-Auswahl und war Teil der Mannschaften, die 2017 an der U20-Weltmeisterschaft und 2018 an der U23-Asienmeisterschaft teilnahmen. Auf Vereinsniveau sammelte er Stationen bei Viettel, Hong Linh Ha Tinh, Nam Dinh, Hai Phong, Gia Dinh und zuletzt Long An. Mit Beginn der Saison 2026/27 fehlte bislang eine neue Vereinszusage.
Internationale Parallelen zeigen das strukturelle Problem
Der Fall ist kein Einzelfall. In England etwa schilderten ehemalige Profis wie Max Noble und Clarke Carlisle den harten Übergang in die Arbeitswelt. Noble, dessen Spielerkarriere durch Knieverletzungen beendet wurde, bewarb sich beim Jobcenter und erwog eine Nachtschicht im Supermarkt, bevor er über Umwege in der Modebranche Fuß fasste. Carlisle, einst Premier-League-Profi und TV-Moderator, arbeitete nach finanziellen Rückschlägen zeitweise als Zusteller bei einem großen Lieferdienst.
Diese Geschichten zeigen eine Lücke zwischen sportlicher Ausbildung und den Anforderungen des allgemeinen Arbeitsmarkts. Zwar bringen Ex-Spieler Disziplin, Belastbarkeit und Teamfähigkeit mit, doch viele Stellen fordern spezifische Qualifikationen, Erfahrung in Vertrieb oder Technik oder formale Abschlüsse.
Was jetzt getan werden müsste
- Frühzeitige Berufsorientierung und Qualifikationsangebote in Akademien
- Übergangsprogramme, die Ausbildung und Praktika vermitteln
- Netzwerke, die Spieler mit Arbeitgebern außerhalb des Sports zusammenbringen
Die öffentliche Bitte von Trong Dai in den sozialen Medien hat die Aufmerksamkeit auf diese Problematik gelenkt und eine Debatte über den Verantwortungsteil von Vereinen, Verbänden und Gesellschaft entfacht. In Hanoi wie in vielen anderen Städten bleibt die Frage: Wie kann die sportliche Laufbahn besser mit Perspektiven für die Zeit danach verknüpft werden?